Waffenbesitz und Sicherheit
Man hört gelegentlich von Leuten, dass sie sich eine Schusswaffe gekauft haben, um sich gegen Einbrecher verteidigen zu wollen. So nahe liegend die Idee scheint, kann man doch mit naiver Herangehensweise mehr Schaden anrichten als Nutzen bringen – die vorgebliche Sicherheit wird zum Risiko. Die folgenden Aspekte sollen die Komplexität des privaten Schusswaffengebrauchs zu Verteidigungszwecken beleuchten:
Aufbewahrung
Manche
Gesetzgebungen
verlangen, dass der Waffenbesitzer seine Waffen sorgfältig
aufbewahrt, was im Einzelfall heißen kann, dass Waffe und Munition
getrennt voneinander zu verstauen sind. Während letztere Bedingung für
den Transport zwingend gilt, lässt die Gesetzgebung für die Aufbewahrung
daheim genügend Spielraum. Sowohl das Gesetz als auch die taktische
Vernunft schreiben einen Schutz vor unberechtigtem Zugriff durch Dritte
vor. Es sollte klar sein, dass die durchgeladene Waffe nicht unter das
Kopfkissen gehört. Andererseits ist die Waffe im Tresor im Ernstfall
nicht schnell genug zur Hand. Aber es gibt Kompromisslösungen, die
Sicherheit und Schnelligkeit genügen, wie dem "Home Defense
Cabinet" mit
biometrischer Sicherung.
Psychologisches
Es reicht allerdings nicht aus, eine Waffe zu besitzen und sie im Bedarfsfall schnell zur Hand zu haben. Man muss dann auch bereit sein, sie gegen Menschen einzusetzen. Dafür sollte man sich vorher mit dem Gedanken befassen, denn wenn man tatsächlich seinem Gegner gegenüber steht, ist für derartige Bedenken keine Zeit mehr. Wer von vornherein für sich ausschließen kann, eine Schusswaffe auch wirklich konsequent gegen einen gewalttätigen Gegner einzusetzen, wird sich im Ernstfall eher selber gefährden und sollte sich eine andere Strategie überlegen. Denn: Am sichersten ist immer, sich von potenziellen Gefahren fern zu halten. Zum passiven Schutz vor gewalttätigen Einbrechern wäre zum Beispiel der Panikraum eine Alternative.
Every citizen should be a soldier. This was the case with the Greek and Romans and must be that of every free state. (Thomas Jefferson)
Sobald man sich dagegen außerhalb seines Hauses bewegt, muss man potenziell mit allerlei Gefahren rechnen. Die Aufmerksamkeit ist erhöht und es besteht meistens die Möglichkeit, einen Bogen um Gefahren zu machen. Den Grad der Aufmerksamkeit, die man Gefahren widmet, hat der Schießausbilder Jeff Cooper in einer Farbskala dargestellt, bei der er die Schritte von arglos bis Kampf im Modell darstellt.
In der Situation zuhause wird man allerdings bei einem gewaltsamen Eindringen vom arglosen Zustand sofort in den Konfrontationsmodus katapultiert. Das wird nicht ohne Stress- oder Paniksituationen passieren. Daher tut man gut daran, die für sich selbst passenden Bewältigungsmethoden für die Stresssituation zurechtzulegen. Jeder geht mit derartigem Stress anders und muss seine persönliche Strategie zurecht legen.
Taktik
Am Anfang aller taktischen Überlegungen steht der Selbstschutz, unabhängig davon, welcher Gefahr man gegenüber tritt. Die Gefährdung durch einen Angreifer hängt auch von der Entfernung ab: Ein gewaltbereiter Täter mit einem Messer ist für mich nur dann keine Bedrohung, wenn ich in 300 Metern Entfernung mit einem Scharfschützengewehr in Stellung liege. In weniger als sieben Metern aber ist er eine tödliche Gefahr, weil er diese Entfernung schneller zurücklegen und mit seiner Waffe wirken kann, als ein trainierter Schütze seine Waffe ziehen und in Anschlag bringen kann.
Kein Plan ist so gut, dass er den ersten Feindkontakt übersteht. (General von Moltke)
Es nützt also nichts, schnell ziehen zu üben – es wird in jedem Fall zu langsam sein. Die bessere Taktik ist, auszuweichen und eine bessere Position zu suchen.

Für welche Waffe man sich entscheidet, ist gegenüber den vorigen Punkten nebensächlich. Eine Waffe muss a) vorhanden, b) zuverlässig und c) einigermaßen zweckmäßig sein [HOFFMANN]. Für den Selbstschutz empfiehlt sich eine Repetierflinte oder eine moderne Gebrauchspistole. Diese sind meist unkompliziert in der Handhabung, schießen sich aber auch nicht von alleine. Soll heißen, eine gute Schießausbildung ist unbedingte Voraussetzung! Das Abfeuern einer Waffe ist zwar keine Wissenschaft, aber trotzdem ein hinreichend komplexer Vorgang, der geübt werden sollte.
Braucht man's?
Der seit 2003 rückläufige Trend bei der Verwendung von Schusswaffen
hat sich – nach gegenläufiger Entwicklung im Jahr 2009 – im
Berichtsjahr weiter fortgesetzt. Während im Jahr 2011 in 6.113 Fällen
mit einer Schusswaffe gedroht wurde, waren es im Jahr 2012 nur noch
5.696 Fälle. Dies entspricht einem Rückgang um 6,8 Prozent.\
In 5.132 Fällen wurde mit der Waffe geschossen (2011: 5.597 Fällen).
Bei gefährlicher und schwerer Körperverletzung nahm die Zahl der
Fälle, in denen geschossen wurde, gegenüber dem Vorjahr um 18,8
Prozent auf 769 Fälle ab, bei Raubüberfällen um 11,7 Prozent auf 144
Fälle. Die Zahl der Raubüberfälle, bei denen mit einer Schusswaffe
gedroht wurde, nahm gegenüber dem Vorjahr um 9,3 Prozent auf 3.164
Fälle ab.
– Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) Jahresbericht
2009
Von den praktischen Aspekten abgesehen, stellt sich noch die Frage nach der Wahrscheinlichkeit nach dem Eintritt des Ernstfalls. Laut einer Statistik des deutschen Bundeskriminalamtes sind Delikte mit Verwendung von Schusswaffen äußerst selten: Nur 0,19% aller Straftaten gehen mit Waffengewalt einher, knapp die Hälfte davon sind der Wilderei zuzuordnen.
In der Schweiz sehen die Zahlen ähnlich aus; Raub unter Verwendung von Schusswaffen ist mit ca. 400 Fällen pro Jahr sehr selten, was hier weniger als 0,1% aller Straftaten ausmacht [BFS]. Auch hier ist die Tendenz zur Gewaltbereitschaft rückläufig.
In einer Gesellschaft, in der Raub und Waffengewalt kaum eine Rolle spielen und außerdem stetig abnehmen, ist fraglich, ob sich der obige Aufwand überhaupt lohnt. Während in vielen Teilen der Welt eine Schusswaffe die eigene Lebenserwartung verlängern hilft, können wir in Mitteleuropa gut darauf verzichten. Allerdings schafft der private Waffenbesitz die Freiheit, sich dort zu verteidigen, wo staatliche Sicherheitsorgane weder helfen können noch etwas zu suchen haben: In der eigenen Privatsphäre.
Fazit
Grundsätzlich ist es besser, wenn ein Konflikt ohne die Verwendung von Schusswaffen bereinigt werden kann, da eine Gefährdung von unbeteiligten Dritten nicht ausgeschlossen werden kann. Wer sich für die Waffe entscheidet, muss die nötigen Vorbereitungen treffen und mit den Konsequenzen umgehen. Und damit rechnen, dass man im Feuerkampf getroffen wird oder sogar das Feuergefecht verliert. Aber es gibt eben Leute, die sterben lieber aufrecht mit heißgeschossener Waffe und leerem Magazin.
Quellen
Die folgenden Quelle habe ich bei der Recherche herangezogen. Das Buch von Hoffmann ist sehr lesenswert und der Autor bietet auch Lehrgänge an:
- [EJPD] Übersicht über das Schweizerische Waffengesetz
- [BFS] Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) Jahresbericht 2009
- [HOFFMANN] Henning Hoffmann, Feuerkampf & Taktik